Thursday, 06 February 2020 16:22

DEUTSCHLAND – BILD veröffentlicht fehlerhaften Artikel, der extrem rechte Verschwörungstheorien bedient

BILD berichtete über einen Vorfall, der sich am 5. Januar in Deutschland ereignete, als sich in Gelsenkirchen ein mit einem Messer bewaffneter Mann Polizisten näherte und daraufhin erschossen wurde. In der ursprünglichen Version des Artikels wurde in der Überschrift behauptet, die Polizei habe einen Terroranschlag verhindert. Dies ist das deutsche Medien Monitoring Highlight für Januar 2020.

Der Artikel ist Teil der Medien Monitoring Highlights für Januar, einer monatlichen Übersicht der bedeutsamsten Ergebnisse unseres Monitoring der etablierten und neuen Medien in Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Ungarn und dem Vereinigten Königreich.

bild gelsenkirchenVeröffentlichungsdatum: 6. Janaur 2020

Medium: BILD, Deutschlands meistgelesene Boulevardzeitung

Autoren: Celal Cakar und Frank Schneider

Link: https://bit.ly/2S02vTZ (Originalversion) /  https://bit.ly/38SfPkj (überarbeitete Version)

Überschrift: Polizei verhindert Terroranschlag in Gelsenkirchen (Originalversion) / Polizisten in Gelsenkirchen angegriffen (überarbeitete Version)

Beschreibung und Widerlegung des muslimfeindlichen Inhalts: BILD berichtete über einen Vorfall, der sich am 5. Januar in Deutschland ereignete, als sich in Gelsenkirchen ein mit einem Messer bewaffneter Mann Polizisten näherte und daraufhin erschossen wurde. In der ursprünglichen Version des Artikels wurde in der Überschrift behauptet, die Polizei habe einen Terroranschlag verhindert. Der erste Satz lautete hier: „Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Terror-Anschlag auf Polizisten mitten in Deutschland!“ Allerdings lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels keine Bestätigung von offizieller Stelle vor, dass es sich wirklich um einen Terroranschlag gehandelt hatte. Bekannt war lediglich, dass der Angreifer angeblich „Allahu Akbar“ gerufen habe, als er sich den Polizisten näherte. Später wurde offiziell bekannt gegeben, dass es keine triftigen Anhaltspunkte dafür gab, dass der Vorfall Terrorbezug hatte. Vielmehr habe der Mann psychologische Probleme gehabt, die für den Fall relevant seien. Auf diese Information hin änderte BILD die Schlagzeile ihres Artikels zu „Polizisten in Gelsenkirchen angegriffen!“ und den ersten Satz zu: „Die Polizei ist sich sicher: Diese feige Attacke war ein versuchter Angriff auf Polizisten mitten in Deutschland!“ Die Änderungen wurden ohne jede Erklärung oder Richtigstellung vorgenommen. Der Artikel hat insgesamt 34.411 Interaktionen.

Der Mythos widerlegt: Das Problem liegt hier bei redaktionellen Standards und darin, wie die beiden Journalisten, die für den Artikel verantwortlich sind, den Fall behandelt haben. Der Kern journalistischer Arbeit sollten Fakten sein und kein Artikel sollte veröffentlicht werden, ohne dass vorher alle Fakten überprüft wurden. Das haben die Autoren offensichtlich nicht getan. Fehler wie dieser haben schwerwiegende Auswirkungen, wie sich in den Stunden nach der Veröffentlichung des ursprünglichen Texts gezeigt hat. Mehrere extrem rechte und muslimfeindliche Accounts teilten den Artikel, unter anderem einige Politiker der rechtsradikalen AfD, die den Artikel mit Kommentaren wie „Islamistisch motivierter Angriff konnte abgewehrt werden!“ teilten. So verbreiten sich Fehlinformationen: mit einem schlecht recherchierten Artikel, der dann benutzt wird, um hetzerische Ideen zu verbreiten. In diesem Fall zogen die Autoren voreilige Schlüsse, die extrem rechte Verschwörungstheorien befeuern, in denen Deutschland (und der Rest Europas und „des Westens“) konstant von muslimischen Terroristen bedroht wird. Die ursprüngliche, sensationsheischende Schlagzeile produzierte viel Aufsehen – und damit Klicks – auf Kosten einer stereotypen Darstellung von Muslimen. 

Man kann schwerlich von Absicht sprechen: wir wissen nicht, warum die Journalisten über den Fall berichteten wie sie es taten. Ganz deutlich zeigen sich allerdings die äußerst negativen Auswirkungen von solch unprofessionellem Journalismus. Die Tatsache, dass BILD nicht zu ihrem Fehler stand, macht den Fall nur noch problematischer, da es der Leserin und dem Leser unklar bleibt, wann und warum der Artikel geändert wurde. Darüber hinaus werden die Änderungen keine Auswirkungen auf diejenigen haben, die den ursprünglichen Text gelesen und geteilt haben. BILD muss zu ihrem Fehler stehen und die Veränderungen an ihrem Artikel deutlich machen. 

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